Nebenklagen

Was ist eine Nebenklage?

Die Nebenklage richtet sich nach der Strafprozessordnung (StPO).

Bei einer Nebenklage kann der Nebenkläger auf Antrag neben dem Staatsanwalt als weiterer Ankläger auftreten, wenn er Verletzter eines der im Katalog des § 395 StPO aufgeführten Nebenklagedelikte ist. Die reguläre Anklage vertritt aber der Staatsanwalt.

 

Nebenklage ist möglich bei: vielen Sexualdelikten, Beleidigung, Verleumdung, versuchtem Mord bzw. Totschlag, Aussetzung, allen vorsätzlichen Körperverletzungsdelikten, Freiheitsdelikten, erpresserischen Menschenraub, Geiselnahme, Nachstellung etc..

Im Strafverfahren gegen Jugendliche gilt § 80 III JGG. Hier ist die Nebenklage nur bei Verbrechen gegen das Leben, die körperliche Unversehrtheit, sexuelle Selbstbestimmung, oder nach den weiteren dort noch in § 80 III JGG genannten Delikten zulässig.

Die Nebenklage hat den Vorteil, dass Sie als Opfer mittels dieser Verfahrensrechte Ihre Interessen in einem Strafverfahren wahrnehmen und zudem Einfluss auf die Verurteilung des Täters nehmen können.

Zudem können Sie im in den §§ 403 ff. StPO geregelten Adhäsionsverfahren beispielsweise Schmerzensgeldansprüche geltend machen, die eigentlich typischerweise den Zivilgerichten zuzuordnen sind.

 

Wenn durch die rechtswidrige Tat jmd. getötet worden ist, steht das Nebenklagerecht gem. § 395 II S.1 StPO den Eltern, Kindern, Geschwistern, Ehegatten oder Lebenspartner zu.

 

Welche Vorteile hat die Nebenklage genau?

Besondere Rechte hat das Opfer als Nebenkläger, nämlich

  • das Recht auf ständige Anwesenheit in der Hauptverhandlung, auch wenn das Opfer noch als Zeuge vernommen werden muss (§ 397 Abs. 1 S. 1 StPO);
  • das Recht, den Richter oder einen Sachverständigen abzulehnen (§ 24, 31 StPO i.V.m. § 397 Abs. 1 S. 3 StPO);
  • das Recht, den Täter und Zeugen zu befragen, Beweisanträge zustellen sowie Erklärungen abzugeben (§ 240 Abs. 2, § 244 Abs. 3, §§ 257, 258 StPO i.V.m. § 397 Abs. 1 S. 3 StPO).

Die Nebenklage eröffnet damit den Vorteil, dass Sie Ihre Interessen als Opfer in der Gerichtsverhandlung deutlich unterstreichen und damit Einfluss auf die Verurteilung des Täters nehmen können.

 

Wer trägt die Kosten einer Nebenklage?

Im Falle der Verurteilung des Angeklagten muss dieser Ihnen im Regelfall die entstandenen Kosten, z. B. Anwaltskosten, ersetzen. Es kann Ihnen auf Antrag auch Prozesskostenhilfe gewährt werden, falls Sie die Kosten nicht selbst übernehmen können. Prozesskostenhilfe erhalten Sie, wenn Sie nicht in der Lage sind, die Kosten selbst zu finanzieren und bei schwieriger Sach- und Rechtslage oder wenn Sie Ihre Interessen ohne anwaltliche Hilfe nicht ausreichend wahrnehmen können oder Ihnen die Beteiligung an dem Strafverfahren ohne einen Anwalt nicht zuzumuten ist. Das Gericht hat sogar die Möglichkeit, Ihnen schon unmittelbar nach der Straftat einen Anwalt Ihrer Wahl einstweilen beizuordnen, selbst wenn Ihnen noch keine Prozesskostenhilfe bewilligt worden ist. Auch in diesem Fall übernimmt der Staat die Kosten.

Okt 9, 2014 | Posted by | Kommentare deaktiviert für Nebenklagen
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